DISCONNECTED

 

In meinem Instagram Post hatte ich bereits angekündigt, dass der heutige Beitrag von einer Krankheit handelt unter der wir alle leiden. We are disconnected. Wir haben verlernt miteinander zu kommunizieren und das, obwohl wir in der Zeit der besten und fortgeschrittensten Informations- und Kommunikationstechnologien leben. Warum wir disconnected (= getrennt) voneinander sind und warum uns die sozialen Netzwerke nicht einander näher bringen, erfahrt ihr beim Weiterlesen. Danke an Ruben Hensel von Votography für das tolle Shooting! 

 


WE DONT SEE  

Dinge die nicht auf einem Smartphone Bildschirm, HD Display oder Flatscreen zu sehen sind sehen wir nicht. Wir haben verlernt unsere Augen zu öffnen, stattdessen laufen wir Blind durch die Welt und lassen uns von mächtigen Strippenziehern führen, die uns vorschreiben was wir zu glauben und wie wir zu leben haben. Wir haben verlernt in die Ferne zu blicken, den Horizont zu bewundern und die Neugierde verloren über den Tellerrand zu schauen. Wir haben vergessen wie der Himmel aussieht, da unsere Köpfe nur noch schwer in den Nacken hängen, von dem immer gleichwinkligen Blick hinab auf das bald nicht mehr ganz so handliche Handy. Deswegen fällt es uns schwer zu erkennen, wann jemand eine Maske trägt, um seine Gefühle zu verbergen. Wir haben die Fähigkeit verloren, sowohl vorsichtiger zu sein als auch einfühlsamer mit unseren Mitmenschen umzugehen. Die Vorsicht hat uns Menschen einmal geholfen trügerische Gefahren zu erkennen und falsche Geister zu enttarnen. Mithilfe unserer Einfühlsamkeit konnten wir Menschen erkennen, wann es anderen schlecht geht, ohne das die Person es aus eigenem Munde sagen musste. Und unser Feingefühl half uns dabei in solchen Fällen entsprechend zu handeln. Doch heute nehmen wir all das nicht mehr wahr. Die einzigen Signale die wir erkennen sind Mobilfunkempfang in sehr guten WLAN Hotspots.


WE DONT LISTEN  

Wir hören nicht mehr zu und tragen Stöpsel in den Ohren. Schlimm genug, dass wir verlernt haben Signale mit unseren Augen wahrzunehmen, verweigern wir diese auch noch mit unseren Ohren. Es ist egal, was um uns geschieht, denn jeder lebt in seiner eigenen Welt. Köpfhörer rein, Musik an, Welt aus. Mobile Musik ist etwas Schönes ja, auch ich komme täglich in den Genuss von Spotify, Youtube und Co. Aber keine Playlist entspannt dich so sehr wie der Klang der Welt. Noch wohltuender und erst recht in Vergessenheit geraten ist die Stimme der Stille. Wir haben verlernt die Ruhe zu hören und empfinden es als peinlich, wenn statt belanglosem und oberflächlichem Smalltalk kraftvolle Ruhe einbricht. Dabei bietet sie uns die Möglichkeit mit unseren Sinnen zu hören und uns der wortlosen Sprache zu bedienen. Wir hören uns ungern das Leid der anderen an, denn das würde voraussetzten, dass es uns interessiert und das tut es nicht. Es interessiert uns nicht was andere zu sagen haben, da die eigene Stimme viel wichtiger ist. Und trotzdem sind wir im Nachhinein verletzt und fühlen uns allein gelassen, weil uns niemand hört. Dabei dürfte das doch keine Überraschung sein, schließlich tanzt jeder eben zu seiner eigenen Musik.


WE DONT READ 

Gedankenlesen, eine übernatürliche Fähigkeit die nur Superhelden aus Comicheften zuteil wird. Genau das könnte man bald über das Gesichter lesen behaupten. Es scheint, als ob wir alle ein Pokerface aufsetzten und wir deshalb nichts mehr aus Mimik und Gestik entnehmen können. Wir haben verlernt zwischen den Zeilen zu lesen und damit auch verlernt zu verstehen, welche Botschaften in Aussagen, Kommentaren und Bemerkungen tatsächlich ausgesendet werden. Wir geraten häufiger in Auseinandersetzungen, besonders weil wir vergessen haben, dass das Gesagte oft anderes interpretiert wird als eigentlich gemeint.

 

Nicht nur haben vier verlernt zu lesen, hinzukommt, dass wir vergessen haben zu warten. Vom schnellen Einkauf, zum schnellen Antworten auf Nachrichten muss alles schnell gehen. How about taking your time. Aber nicht nur sich selbst Zeit zulassen, sondern vor allem auch anderen, ist eine Fähigkeit die heutzutage ziemlich selten geworden ist. 

 

Ich bekomme manchmal Beschwerden dafür, dass ich auf Whats App so lange zum Antworten brauche. But guess what, I do have a life. Trotz aktiver Beitreibung meines Blogs und Instagram Accounts verbringe nicht viel Zeit mit meinem Phone und wenn doch, dann vorzugsweise abends wenn ich zu Hause bin. Wenn ich mit jemandem Zeit verbringe oder mit etwas beschäftigt bin, schenke ich der Person oder der jeweiligen Aufgabe meine volle Aufmerksamkeit. Also bleibt mein Handy bleibt in der Tasche. 

 

Deshalb liebe ich die Benachrichtigungsfunktion auf Whats App und behalte sie eingeschaltet, sodass für jeden ersichtlich ist, ob und wann ich eine Nachricht gelesen bzw. nicht gelesen habe. An alle die diese Funktion abgeschaltet haben und sich zurückgewiesen fühlen, weil sie nicht in Sekundenschnelle eine Antwort bekommen: Schaltet sie bitte ein. 



I'd rather hear your voice than read your text. 

Ich hoffe darauf, dass wir all die genannten Fähigkeiten wieder erlernen und wieder zueinander finden. 

Die Handys beim Essen nicht auf dem Tisch liegen und uns gegenseitig wieder die Aufmerksamkeit schenken, die wir doch alle so dringend brauchen.

I wish we could all reconnect.

 

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